Gewölbereinigung im Mainzer Dom:

Seilgestützt statt Vollgerüst

Wer in diesen Tagen den Mainzer Dom betritt und den Blick nach oben richtet, sieht ein ungewöhnliches Bild: Seile hängen aus dem Gewölbe des Westchors, hoch oben spannt sich eine Traverse durch den Raum – und mittendrin arbeiten unsere Industriekletterer. Die Gewölbereinigung im Mainzer Dom ist eines unserer spannendsten Projekte in der Baudenkmalpflege. Hier zeigen wir, wie die seilgestützte Lösung funktioniert und warum sie dem klassischen Gerüstbau in vielen Fällen überlegen ist.

Warum eine Gewölbereinigung im Mainzer Dom nötig wurde

Die Gewölbe über dem Westchor wurden zuletzt in den 1950er Jahren gereinigt. Seitdem haben sich über Jahrzehnte Ruß von Kerzen und Weihrauch, Staub und weitere Umwelteinflüsse auf den historischen Flächen abgelagert. Das Ergebnis: eine deutlich sichtbare, dunkle Patina, die die Architektur des über 1.000 Jahre alten Doms regelrecht verschluckt.

Eine Reinigung war also längst überfällig. Doch die entscheidende Frage lautete: Wie erreicht man ein Gewölbe in dieser Höhe, ohne den Dom für Wochen lahmzulegen?

Die Herausforderung:
Höhenzugang ohne raumhohes Gerüst

Voraussetzungen für den Quereinstieg
bei seilkonzept

Der klassische Weg wäre ein Vollgerüst gewesen – vom Domboden bis unter das Gewölbe.
Die Nachteile liegen auf der Hand:

  • Wochenlange Auf- und Abbauzeiten und entsprechend hohe Kosten
  • Massive Einschränkungen für Gottesdienste, Besucherinnen und Besucher
  • Belastung des historischen Bodens und des wertvollen Chorgestühls

Genau hier setzen wir mit unserer Kernkompetenz an: seilgestützte Zugangstechnik, die ohne Gerüst auskommt. Gemeinsam mit der Dombauhütte Mainz unter der Leitung von Jörg Walter haben wir eine Seilkonstruktion entwickelt, die speziell auf die Anforderungen des Mainzer Doms zugeschnitten ist.

Unsere seilkonzept - Lösung:
Traverse und Seiltechnik im Westchor

Das Herzstück der Konstruktion ist eine Traverse, wie man sie aus dem Bühnenbau kennt. Sie spannt sich hoch oben durch das Gewölbe und dient unseren Höhenarbeitern als mobiler Ankerpunkt. Von dort aus seilen sich unsere FISAT- und IRATA-zertifizierten Industriekletterer ab und erreichen jeden Winkel der Gewölbeflächen – präzise, sicher und flexibel.

Für Besucher wirkt das Ganze fast wie ein überdimensionales Spinnennetz unter der Domdecke. Für uns ist es gelebter Alltag: Höhenarbeit dort, wo Gerüste und Hebebühnen an ihre Grenzen stoßen.

Der große Vorteil für den Dom: Der Kirchenraum bleibt während der gesamten Maßnahme weitgehend zugänglich. Gottesdienste und Besichtigungen können nahezu ungestört weiterlaufen – bei einem Vollgerüst undenkbar.

Schonende Reinigung mit Restaurierungsschwämmen

Bei der Reinigung selbst gilt in der Denkmalpflege ein Grundsatz: so schonend wie möglich. Deshalb kommen weder Wasser noch chemische Mittel zum Einsatz. Stattdessen arbeiten wir mit speziellen Restaurierungsschwämmen, die ähnlich wie ein Radiergummi funktionieren. Sie lösen den Ruß behutsam von der Oberfläche, ohne die historische Substanz anzugreifen.

Damit während der Arbeiten kein Schmutz auf das historische Chorgestühl fällt, wurde dieses sorgfältig mit Schutzfolie eingehaust. Der Schutz der wertvollen Bausubstanz hat bei jedem unserer Einsätze oberste Priorität.

Eine Konstruktion mit Zukunft

Die für den Mainzer Dom entwickelte Seilkonstruktion ist kein Einzelfall, sondern ein System mit Perspektive: Sie soll künftig auch bei der Reinigung weiterer Gewölbe im Dom zum Einsatz kommen. Damit reduziert sich der Aufwand für kommende Maßnahmen erheblich – ein nachhaltiger Gewinn für den Erhalt des Bauwerks.

Für uns ist das Projekt zugleich eine schöne Fortsetzung unserer Arbeit am Mainzer Dom: Bereits die Sanierung des Turmkreuzes haben wir seilgestützt und ohne Vollgerüst realisiert.

Warum sich seilgestützte Denkmalpflege lohnt

Die Gewölbereinigung im Mainzer Dom zeigt exemplarisch, was seilbasierte Zugangstechnik in der Baudenkmalpflege leisten kann:

  • Kosteneffizienz: kein wochenlanger Gerüstauf- und -abbau
  • Minimale Beeinträchtigung: der Betrieb im Gebäude läuft weiter
  • Maximale Flexibilität: jeder Punkt des Gewölbes ist erreichbar
  • Substanzschonung: kein tonnenschweres Gerüst auf historischem Boden
  • Zertifizierte Sicherheit: FISAT- und IRATA-geprüfte Höhenarbeiter
Jahrhundertealte Architektur trifft moderne Seiltechnik

Der Blick nach oben lohnt sich im Mainzer Dom derzeit gleich doppelt: Besucher erleben ein beeindruckendes Zusammenspiel aus romanischer Baukunst und innovativer Höhenarbeit. Und das Gewölbe des Westchors erstrahlt nach Jahrzehnten wieder in seiner ursprünglichen Wirkung.

Sie planen eine Reinigung, Sanierung oder Inspektion an einem historischen Gebäude – ohne aufwendiges Gerüst? Wir beraten Sie gern zu seilgestützten Lösungen für Ihr Projekt.